Sonntag, 20. Mai 2018

Tour: Burgen in Ostbayern Teil 4, Neunburg vorm Wald und Nabburg

Vor einigen Jahren habe ich die Tourenserie "Burgen in Ostbayern" angefangen, eine kleine Sammlung von Tagestouren zu den schönsten Burgen der Region. Natürlich kann und will so etwas nie vollständig sein, darum ging es heute einmal wieder auf die Straße, ein paar "neue" Burgen entdecken. 

Regensburg verlässt man beim Industriegebiet Haselbach in nördlicher Richtung am besten über Kürn. Die Höhenstraße durch die Ausläufer des Oberpfälzer Waldes ist deutlich angenehmer zu fahren, als die B15 über Regenstauf. Der weitere Streckenverlauf, quer durch das Regental bei Nittenau und weiter nach Bodenwöhr führt durch eine grüne, gewellte und ungeheuer wasserreiche Region.
Bodenwöhr mit seinen zahlreichen, miteinander verbundenen und von dichtem Wald gesäumten Seen wäre schon ein lohnendes Tourziel. Allerdings müsste man schon ein Boot im Gepäck haben, um die Schönheit dieses Ortes wirklich zu würdigen. Da mein Roller aber leider nicht schwimmen kann, bleibe ich auf der Nebenstrecke in Richtung Neunburg vorm Wald.

Auf einer Anhöhe im Ortskern liegt die Burg Dürnitz, auch Schloss Neunburg genannt. Im Jahre 1017 erstmals urkundlich erwähnt ist sie eine der älteren Burgen der Region. Leider ist nur relativ wenig originale Bausubstanz er halten, dafür ist die Burg bis heute lebendiger Teil des Ortes. Sie beherbergt die Musikschule und ein kleines Museum, außerdem dient sie im Sommer als Kulisse für historische Festspiele.
Für einen Museumsbesuch ist es mir heute aber zu sonnig, bei herrlichem Wetter lockt die Straße und ich lenke den Roller aus dem Ort heraus. In nordwestlicher Richtung, vorbei an Schwarzhofen und dem besonders malerischen Ort Altendorf geht es nach Nabburg. 
Hier lockt keine Burg im eigentlichen Sinne, denn diese gibt es schon lange nicht mehr. Die Stadt entstand einst rund um eine frühmittelalterliche Burg, deren spärliche Überreste heute unter der Altstadt begraben liegen. Dafür ist die, auf einem Hügel gelegene und malerisch restaurierte, Altstadt noch fast vollständig von den Wehrwerken aus dem Mittelalter umgeben. Die Befestigungen gaben der Stadt einst Schutz, heute sind sie Teil eines Grüngürtels mit Rundweg und herrlichem Weitblick über das Naabtal und den Oberpfälzer Wald.

Hier ist es gut sein und ich fahre erst nach einem gemütlichen Mittagessen weiter. Nicht auf dem direkten Weg über die B15 zurück nach Regensburg, sondern über die wunderbar gewundene Nebenstraße über Schmidgaden nach Amberg. Von dort aus führt die Vilstalstraße, vorbei an Kümmersbruck und Schmidmühlen nach Kallmünz. Hier treffe ich die Naab wieder, die ich bei Nabburg verlassen habe. Ihr folge ich, bis fast zu ihrer Mündung in die Donau und erreiche damit wieder Regensburg.

Eine schöne Runde, auch wenn man sich den Besuch der Burg von Neunburg und der Altstadt von Nabburg spart, denn Landschaft und Strecken der Region sind für sich schon ein Genuss.





Freitag, 18. Mai 2018

was auch noch so zu machen ist

Die Ape steht in der Werkstatt, das bedeutet vor allem, dass sonst nichts mehr in die Werkstatt rein passt. Wirklich schrauben kann ich so zur Zeit nicht, nur hoffen, dass die Ersatzteile für Luigi bald geliefert werden.
Den grauen Alltagsdienst versieht derweil der Chinakracher, aber wie das bei diesen Kisten halt so ist, braucht der Eimer bisweilen etwas Zuwendung. Darum bin ich heute nochmal kurz zur Werkstatt rausgefahren. Den Kleinkram kann man auch buchstäblich zwischen Tür und Angel erledigen.
Ab deutlichsten waren der losvibrierte Gepäckträger und eine etwas abstehende Seitenverkleidung. Alles nichts wildes, aber es nervt halt.

Diese Dinge zu beheben ist eine Sache von fünf Minuten, danach ging es dann an das eigentliche Problem.
Zu den typischen Schwachstellen der Chinaroller gehört der Seitenständer. Dessen Feder taugt nicht viel und erlahmt schnell. Als Folge hängt der Ständer dann runter und setzt in Linkskurven sehr schnell auf. Das ist nicht nur nervig, es kann auch gefährlich werden. 
Die Lösung für dieses Problem ist eine stärkere Feder. Dazu muss natürlich zunächst der Seitenständer runter, ein Unternehmen, das in diesem Fall problemlos war. Häufig reißt die Halteschraube, die natürlich ein Sonderteil ist, dabei ab. Zum Glück hatte ich das Zeug im Herbst gangbar gemacht und gründlich gefettet. 
Als neue Ständerfeder dient jetzt eine Trommelbremsfeder aus einem PKW. Keine Ahnung von was für einem, ist ein Wühlkistenteil.
Damit kann man jetzt auch wieder Linkskurven in tiefster Gangart fahren ohne aufzusetzen. So soll es sein und die Schrauberei am Chinakackfass ist damit erstmal erledigt.

Bei der Ape blieb mir noch die Vorbereitung des Zylinderkopfes. Dieses sehr teure Bauteil (Neupreis weit über 200€) soll natürlich wiederverwendet werden. Grundsätzlich ist der Kopf auch in gutem Zustand, er ist nicht verzogen und hat keine groben Schäden. Lediglich der Brennraum und die Dichtfläche müssen natürlich gereinigt werden.

Die Ölkohle aus dem Brennraum ließ sich relativ gut abschaben. TM-Köpfe sind auch einem relativ harten Aluguss, der nicht so leicht zerkratzt wie die oft sehr weichen Köpfe von Rollermotoren. Zudem war ein perfekt sauberer und polierter Brennraum auch nie Ziel der Übung, bei einem serienmäßigen Alltagsmotor macht soetwas keinen Sinn. Die Ölfangnut und die Dichtfläche sollten aber natürlich sauber sein, denn der Kopf wird bei der TM ohne Dichtung montiert.
Die Dichtfläche mit Schleifleinen auf einer Glasplatte abzuziehen ist daher obligatorisch. Dank des sehr guten Zustands dieses Kopfes eine Sache, die in wenigen Minuten zu erledigen ist.
Jetzt bleibt endgültig nur noch das Warten auf die Ersatzteillieferung. Aber es war ja schönes Wetter, darum habe ich dann den Chinakracher noch etwas über die Landstraße gehetzt. Knapp über 1.000km bin ich jetzt schon mit dem Haufen gefahren, das ist erschreckend viel, vor allem läuft er auf schon fast gespenstische Weise zuverlässig. Aber irgendwo muss ich ja auch mal Glück haben.










Donnerstag, 17. Mai 2018

Luigi: es ist immer wieder erstaunlich ...

Wie berichtet hatte es auf der Tour durch Hessen mit der Ape einen kleinen Ausfall gegeben. Zündkerzenschmelze ist nie ein gutes Zeichen, unter anderem kann sie darauf hindeuten, dass der Motor extrem überhitzt hatte. Angesichts der Vergaserprobleme vor kurzem habe ich mir die Ape darum heute nochmal genau angesehen.
Der Vergaser selbst erwies sich dabei als völlig in Ordnung, keine Überraschungen an dieser Front.
Einerseits natürlich eine gute Nachricht, andererseits liefert es keine Erklärung für den Leistungsverlust und die zusammengebrannte Zündkerze. 
Bei Zweitaktmotoren grundsätzlich problematisch, aber als grober Indikator für den inneren Zustand des Motors dennoch brauchbar ist ein Kompressionstest. 
6bar sind arg wenig, das ist deutlich unter der Verschleißgrenze des Motors. Meine Befürchtung, dass hier irgendwas auf ziemlich unschöne Weise schief gegangen ist wurde dadurch natürlich bestätigt. Leider ist es bei der TM ein ziemlicher Aufriss den Zylinder zu ziehen, aber es hilft nichts, denn nur ein Blick ins Innere des Motors kann in solchen Fällen für Klarheit sorgen.
Der weiß verfärbte Auspuffkrümmer ist ein weiterer Indikator für ein Überhitzungsereignis. Zudem waren beide Krümmermuttern am Auslass relativ locker, ein weiteres Zeichen dafür, dass sich der Auspuff weit über das normale Maß erhitzt hatte, beim Abkühlen können sich dann nämlich die Muttern lösen.
Der Blick in den Auslasschlitz zeigte dann gleich das Grauen. Ein ganz offensichtlich schwer beschädigtes Kohlenhemd in Kombination mit heftigsten Verkokungen. Da TMs normalerweise nicht sondernlich zum zukohlen neigen ist auch dies ein Zeichen für Motorprobleme.

Der Grund für die relativ aufwendige Demontage des Zylinders bei der TM liegt darin, dass das hintere Motorstützlager Teil des Zylinderkopfes ist.
Um die Zylinderhaube abnehmen zu können, muss das Lager gelöst werden. Um das Gewicht des Motors heraus zu nehmen und gleichzeitig zu verhindern, dass der Motor abkippt und dabei das Schaltgestänge verbiegt muss also zunächst der Motorblock abgestützt werden.
Erst jetzt kann das Stützlager ausgebaut und die Zylinderhaube abgezogen werden. Die restliche Demontage des Zylinders ist dann nicht viel aufwändiger als bei einem Rollermotor.
Nachdem der Zylinder gezogen war, zeigte sich deutlich wie heftig der Kolbenschaden war.
Auslasseitig fehlt eigentlich das komplette Kolbenhemd unterhalb des Kolbenbolzens. Die Bruchkante ist frisch, keinerlei Brandspuren, was darauf hindeutet, dass dies die Ursache für den Motoraussetzer bei Friedberg war. 
Erstaunlicherweise ist das "Untergeschoss" des Motors, also Kurbelwelle und Lagerung, völlig unversehrt. Die Kurbelwelle sieht aus wie neu und läuft seidenweich und völlig spielfrei in ihren Lagern. Der Drehschieber ist unbeschädigt. Natürlich muss das Kurbelgehäuse vor dem Einbau eines neuen Zylinders gründlichst gespült werden, aber es ist schon faszinierend, dass ein derart großer Ausbruch am Kolben keinen Kurbelwellenschaden verursacht hat.
Auch der Zylinder weißt über, für die Laufleistung des Fahrzeugs völlig vertretbare, Laufspuren hinaus keinerlei Schäden auf. Die Bohrung des Zylinders ist halbwegs maßhaltig und deutlich innerhalb der Toleranz. Ungewöhnlich ist nur der extrem verkokte Auslasschlitz.

Interessant ist auch, dass die Verkokungen weich und nicht eingebrannt waren. Sie ließen sich ohne großen Kraftaufwand einfach abschaben. 
Bei großvolumigen und relativ heiß laufenden Zweitaktern wie dem Motor der TM ist das eigentlich ungewöhnlich. Es ist ein Hinweis darauf, dass diese Verkokungen noch relativ frisch waren. Vermutlich sind sie aufgrund schlechten Motorlaufs erst nach dem Aussetzer in Friedberg entstanden. Auch die seltsame bräunliche Färbung deutet darauf hin.
Die schwarz verkohlte Unterseite des Kolbenbodens passt ebenfalls zu dieser Theorie. Durch das fehlende Stück Kolbenhemd hat der Motor Abgase in die Kurbelkammer gesaugt und diese zusammen mit dem Frischgas herumgespült. Das erklärt den schlechten Motorlauf und die Verkohlungen an dieser Stelle.
Für den Kolben selbst gilt das Gleiche wie für den Zylinder. Die Verschleißerscheinungen, wie Laufspuren und geringer Blowby sind für die Laufleistung der Ape erstaunlich gering. Vor allem zeigen sie aber keinerlei Spuren einer massiven Überhitzung.
Ebenso ist auch der Kolbenboden frei von den, bei stark überhitzten Motoren eigentlich üblichen, Einschlägen und Einbrennungen. Es hat den Anschein, als sei einzig und allein das brechende Kolbenhemd für den kurzen Ausfall verantwortlich. Die Zündkerze könnte durch eine kurzzeitige Stauung überhitzter Abgase verbrannt sein. Das Bruchstück wurde vermutlich in den Auspuff gesaugt und steckt dort fest, was zusammen mit schlechter Kompression und Verbrennung für den massiven Leistungsverlust gesorgt hat.
Letztlich ist es pures Glück, dass der Motor nicht völlig vor die Hunde gegangen ist. Im Kubelgehäuse hätte das Bruchstück den Motor mit ziemlicher Sicherheit final zerstört. So bleibt es bei einer teuren aber handwerklich relativ harmlosen Reparatur, nämlich dem Einbau eines neuen Zylinderkits und eines neuen Auspuffs.
Bis die dazu notwendigen Ersatzteile eingetrudelt sind, kann der Motor etwas am improvisierten Motorhalter baumeln und die Ape sich in der Werkstatt von der Tour erholen. Verdient hat es der alte Blecheimer ja.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie zäh diese Viecher doch sind.












 



Tour: Slooowriderstreffen 2018, Mayersgrund bei Ilmenau und Apetour nach Hessen


Das jährliche, meist an Christi Himmelfahrt stattfindende, Treffen der Slooowriders ist zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Nicht nur mich, sondern auch den Rest der liebenswürdig-chaotischen Gruppe zieht es jedes Jahr zu einem neuen Ziel um ein paar schöne Tage in der Gemeinschaft mit guten Freunden zu verbringen. 
Für die 2018er Auflage war der Campingplatz Mayersgrund bei Ilmenau in Thüringen ausgewählt worden. Für mich bedeutete dies, dass ich am Dienstag vor Himmelfahrt nach Norden aufgebrochen bin. Zwar wäre es grundsätzlich möglich, Ilmenau mit der Ape an einem Tag zu erreichen, aber die damit verbundene heftige Kilometerfresserei wollte ich mir dann doch nicht geben. Es ging also zunächst recht entspannt von Regensburg aus durch die nördliche Oberpfalz über Amberg nach Franken. Die oberfränkische Kulturhauptstadt war jedoch leider nur ein Wegpunkt auf der weiteren Fahrt über Kulmbach nach Kronach. Von dort aus ist es dann nur noch ein kurzes Stück zur Grenze der Bundesländer Bayern und Thüringen. Diese Landesgrenze markiert natürlich auch den Verlauf der historischen innerdeutschen Grenze. Viel erinnert nicht mehr an dieses dunkle Kapitel, auf einem Hügel zwischen den Orten Burggrub (Bayern) und Neuhaus-Schierschnitz (Thüringen) steht jedoch eine kleine Kapelle. Die Friedenskapelle wurde 1992 im Gedenken an die kurz zuvor überwundene Teilung Deutschlands eingeweiht. 

Die Friedenskapelle auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze

In der Kapelle herrscht eine wunderbar ruhige und friedliche Stimmung. Keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen, nur ein paar Vögel sind zu hören und die Geräusche der wenig befahrenen Straße. Es ist schon merkwürdig, dass dieser heute so friedvolle Ort vor kaum einer Generation völlig anders ausgehen haben muss. Ein Gedanke, der mich auf der weiteren Fahrt begleitet. Kurz hinter der Spielzeugstadt Sonneberg beginnt dann der Thüringer Wald, die Straße windet sich in sanften Serpentinen zwischen den dicht bewaldeten Bergen hinauf. Die Ape hat hier zum ersten Mal auf dieser Reise etwas zu kämpfen, bewältigt die Steigungen aber gut. Bei Hüttengrund suche ich mir dann einen Stellplatz für die Nacht, denn nach gut 200km Tagesleistung habe ich erstmal genug vom Apefahren. Die tiefe Stille des Waldes lädt zu sehr zu einer kleinen Wanderung ein und sorgt später für eine erholsame Nacht.

Übernachtungsplatz bei Hüttengrund

Am nächsten Morgen geht es früh raus, denn der Campingplatz ist zwar nicht sehr weit entfernt, aber ich will die Strecke in Ruhe angehen und wenn möglich einige Besichtigungspausen einlegen. Der Streckenverlauf wird ab dem Göritztal immer steiler, fast schon alpin geht es hinauf bis zum Pumpspeicherwerk Goldisthal. Der hoch gelegene Speichersee ist nicht besonders sehenswert, er erinnert an eine überdimensionale Vogeltränke. Einfach nur ein großer Betontrog voller Wasser, aber die Besucherplattform bietet einen fast unbegrenzten Blick über das umliegende Land. Das tiefe Grün der Wälder wird nur von wenigen Spuren menschlicher Aktivität unterbrochen, außerdem habe ich, frühmorgens an einem ganz normalen Mittwoch, den Aussichtspunkt ganz für mich alleine. 
Ausblick vom Speicherkraftwerk Goldisthal über den Thüringer Wald

der Stausee des Kraftwerks ist weniger sehenswert
Die schon fast unwirkliche Stille wird nur vom gedämpften Summen der Turbinen, tief in den Eingeweiden des Speicherkraftwerks, gestört. Von Goldisthal führt die Straße weiter über die Höhenzüge am Rennsteig. Der berühmte Fernwanderweg verläuft teilweise unmittelbar neben der Hochstraße. Am späteren Vormittag erreiche ich dann den Campingplatz in einem stillen Talkessel bei der Ortschaft Manebach.

Campingplatz Mayersgrund
Angesichts der Tatsache, dass die Ape kurz vor dem Tourstart mit Vergaserproblemen ausgefallen war, nutzte ich die ruhige Zeit vor Ort zu einer Überprüfung der Gasfabrik. Die bestellten Kleinteile waren einige Stunden vor meiner Abfahrt in Regensburg angekommen und die Kontrolle und Grundüberholung des Vergasers ist, was die Anforderungen an die Werkzeugausstattung angeht, keine große Sache. Letztlich war der etwas überstürzt eingebaute Vergaser in ziemlich gutem Zustand und die Überholung weniger technisch notwendig, als eine Maßnahme zur Gewissensberuhigung. 
Aber solche Überlegungen spielten bald keine Rolle mehr, denn langsam aber sicher kamen die restlichen Teilnehmer des Treffens am Platz an. Trotz eines heraufziehenden und sich heftig entladenden Gewitters wurde es dann noch ein langer und schöner Abend.

Auf einen nassen Abend folgt meist auch eine ziemlich kalte Nacht und ich bin ehrlich gesagt dankbar für die gute Heizung meiner Ape. Eine Tasse heißer Tee als Starthilfe in den Tag tut dennoch gut. Als gleiche Gruppe geht es dann bald auf eine Ausfahrt durch den Thüringer Wald, denn für den Nachmittag ist wieder Regen angesagt. 
An schönen Strecken für eine solche Ausfahrt ist die Gegend zum Glück sehr reich und wir lassen uns mehr oder weniger treiben. 
Durch Zufall stoßen wir auf ein Oldtimertreffen, bei dem mehrheitlich Nutzfahrzeuge aus DDR-Zeiten zu sehen sind. Eine interessante Sache, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Doch das drohende Schlechtwetter maht zur Eile und so bleibt der Besuch bei den historischen Straßenriesen nur kurz. Bald geht es weiter, zum Gasthof Schwarzer Adler in Masserberg, wo wir uns mit der berühmten Bratwurst stärken konnten.

Die dem Wetterbericht geschuldete Eile erwies sich leider als recht begründet, denn kurz nach der Rückkehr zum Campingplatz begann es wieder zu regnen. Zwar nicht ganz so heftig wie am Vorabend, aber doch genug um den Grillabend etwas ungemütlich werden zu lassen. Ein Grund mehr für die gesamte Gruppe, sich in einem der Bungalows zurück zu ziehen und die Tourfilme der Türkei- und Marokkotour aus den vergangenen Jahren anzusehen.
Für den Freitag hatten die Wetterpropheten besseres Wetter vorhergesagt, weshalb sich ein Teil der Gruppe zu einer größeren Rundfahrt durch den Thüringer Wald aufmachte. Der Rest fuhr nach Suhl um das dortige Waffenmuseum zu besichtigen.
Suhl ist aber nicht nur seit jeher eine Hochburg der Herstellung von Waffen aller Art, sondern auch die ehemalige Heimat der Simsonwerke. Da bietet sich der Fotostopp mit dem Ostmoped vor dem Ortsschild natürlich an. 

Das Waffenmuseum hingegen ist eine faszinierende, streckenweise auch erschreckende, Einrichtung. Die dort ausgestellten Gerätschaften aus vielen Jahrhunderten sind in jedem Fall beeindruckend. Egal aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet. 
Grundsätzlich sind aber alle Slooowriders friedliche und hilfsbereite Zeitgenossen, weshalb auf der Rückfahrt auch angehalten wurde, um einem am Straßenrand gestrandeten Simsonfahrer zu helfen.
Leider gelang es nicht, das Fahrzeug vor Ort wieder fahrbereit zu machen. Da der jugendliche Mopedfahrer jedoch nur wenige Kilometer weiter zu Hause ist, konnten wir ihm immerhin mit einem Huckepackritt auf der Ape aushelfen. Beim anschließenden Einkauf für das Abendessen entstand dann ein Gespräch mit mehreren Simsonfreunden auf dem Supermarktparkplatz, das in der Folge zu einem kurzen Besuch auf dem Campingplatz führte.
Ohne Regenschauer war es dann der bisher beste und gemütlichste, zumindest äußerlich auch trockenste Abend des Treffens.


Für den Samstag stand "Touriprogramm" auf dem Zettel. Die Glasstadt Lauscha, tief im Thüringer Wald und seit langer Zeit eine Hochburg der Glasherstellung, war unser Ziel.
Das Mittagessen vor Ort war leider nicht nach jedermanns Geschmack und so ging es bald weiter, die Natur Thüringens ist dann doch immer noch die schönste Sehenswürdigkeit der Gegend. Viel wichtiger ist bei diesen Treffen ohnehin die gemeinsam verbrachte Zeit, weshalb die Abende am Campingplatz das eigentliche Highlight blieben. Genau so soll es ja eigentlich auch sein.

Der Sonntagmorgen stand dann zunächst im Zeichen des allgemeinen Aufbruchs. Thum wollte an diesem Tag bis Herborn in Hessen und ich hatte mit ihm ausgemacht, dass ich ihn begleite. Darum waren wir beiden auch ziemlich die ersten, die den Campingplatz verließen.
Bei zunächst noch strahlendem Sonnenschein ging es von Ilmenau aus zunächst nach Schmalkalden und dann weiter in westlicher Richtung. Das gute Wetter sorgte für ebensolche Laune und die Gelegenheit, auch kuriosere "Sehenswürdigkeiten" zu besichtigen.
Der Casalini Sulky (Miniauto mit Ape 50 Technik) ist ein nördlich der Alpen selten zu sehender Vogel und Grung genug, eine kurze Pause einzulegen. Leider wurde der Himmel immer dunkler und bei Schmalkalden erwischte uns dann der Regen. 
Für mich als Apefahrer war dies natürlich unerfreulich, aber nicht weiter schlimm. Thum auf seinem Dreiradroller wurde hingegen ordentlich nass. Die Mittagspause in Geisa, im sehr zu empfehlenden Gasthof zur Linde, war darum vor allem als Trocknungspause gut. Point Alpha ließen wir im Regen links liegen und fuhren lieber weiter nach Hessen hinein. Doch auch in der hessischen Rhön wurde das Wetter nicht besser, bis Marburg nur Regen in ständig wechselnder Stärke.
Immerhin, Marburg markierte den Punkt einer gewissen Besserung, denn langsam ließ es nach und kurz vor unserem Ziel hörte der Regen tatsächlich auf. Immerhin eine trockene Ankunft in Herborn war also möglich.
kurz vor Herborn, endlich kein Regen mehr
Neben dem Hotel, in das Thum sich einquartiert hatte, gibt es ein griechisches Restaurant. Warm und trocken und mit gutem Essen ein angenehmer Ort, um den Tag ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel von Thum und lenkte die Ape in südlicher Richtung zunächst nach Wetzlar. Die Hauptstadt des Lahn-Dill-Kreis ist für mich gut bekanntes Terrain, denn einige Verwandte von mir leben hier. Doch zu einem Besuch dort hatte ich weder Zeit noch Lust, sondern suchte lieber den Weg zur B3, die ich etwas südlich von Gießen erreichte.
Bergarbeiter-Denkmal bei Wetzlar
Die B3 ist eine relativ viel befahrene, landschaftlich aber angenehme Route, wenn man aus nördlicher Richtung nach Frankfurt am Main fahren will. Einzig die autobahnartig ausgebaute Ortsumgehung um Friedberg nervt, ist aber normalerweise auch mit der Ape schnell überwunden. Doch diesmal wollte das Pannenteufelchen keine Ruhe geben und schlug genau auf diesem Abschnitt zu. Schlagartig ging der Motor der Ape aus und weigerte sich nach dem ausrollen auf der Standspur wieder anzuspringen. Eine kurze Diagnose zeigte, dass die Zündkerze völlig verbrannt war. 
Kein gutes Zeichen, denn eine derart verbrannte Kerze ist ein eindeutiger Hinweis, dass der Motor überhitzt hat. Allerdings zeigten sich keine der sonst üblichen Spuren von Überhitzung. Mit einer anderen Kerze aus dem Bordwerkzeug sprang die Ape sofort wieder an, jedoch fehlte es massiv an Leistung und Durchzugskraft. Vorsichtig, mit einem halben Ohr immer am Motor, ging es weiter nach Frankfurt. 
Bei Bad Vilbel bog ich dann auf mir gut bekannte Nebenstraßen ab, denn mein Ziel war ja der Stadtteil Heddernheim, wo ein Teil meiner Familie zu Hause ist. Bald tauchten die Wolkenkratzer "Mainhattans" am Horizont auf und das Ziel war bald erreicht. Immer noch mit deutlich reduzierter Leistung, aber ohne weitere Zwischenfälle endete die Fahrt bald vor dem Haus der Verwandten. Ich wurde spontan im Gästezimmer einquartiert und es gab Pizza, was will man eigentlich mehr?

Neben dem Besuch bei den Verwandten, war für mich vor allem das Senckenbergmuseum ein wichtiger Grund nach Frankfurt zu fahren. 
Die altehrwürdige Institution ist für mich mit Erinnerungen an die Kindheit verbunden, die riesige Sammlung von präparierten Tieren sowie natürlich die Skelette der Dinosaurier im Lichthof waren (und sind) unglaublich beeindruckend. Das Museum veranschaulicht auf extrem eindrucksvolle Art, wie vielfältig die Natur ist. Es nach vielen Jahren einmal wieder zu besuchen war nicht nur interessant, sondern auch eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit. 


Ich treffe mich am Museum zudem mit einem lieben Freund, einem Paläontologen und Mitglied der Senckenberg Gesellschaft aus Hannover. Zusammen mit ihm wandere ich einige Stunden durch die schier endlosen Gänge, Hallen und Säle des Museums. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Museumsrestaurant verabschieden wir uns. Er muss seinen Zug zurück nach Hannover erwischen und ich will noch etwas Strecke machen, zumindest das Maintal hinter mir lassen und näher an die Heimat kommen.
Nach einem kurzen Abschied von den Verwandten lasse ich Frankfurt hinter mir. Die B8, die mich grundsätzlich bis nach Regensburg zurück bringen wird, ist schnell gefunden und es geht am Main entlang nach Aschaffenburg. Bervor ich aber Hessen verlasse, decke ich mich noch mit "Epplewei" (Apfelwein) ein, ein in Bayern schwierig zu erhaltendes Produkt.
im Maintal kurz vor Aschaffenburg
Aschaffenburg erreiche ich schneller als gedacht und die Ape läuft langsam aber zuverlässig, weshalb ich weiter fahre und am späten Nachmittag den Spessart erreiche. In den Tiefen dieses Mittelgebirges, unweit der von mir verfolgten Bundesstraße, liegt die Ortschaft Mespelbrunn. Eine eigentlich unscheinbare kleine Landgemeinde, die jedoch in den 1950er Jahren durch den Heimatfilm "Das Wirtshaus im Spessart" berühmt wurde. Insbesondere das Wasserschloss und das nahegelegene Schlosshotel gehören seither zu den bekanntesten Gebäuden Deutschlands. Natürlich lasse auch ich mir die Gelegenheit hier ein Foto zu machen nicht entgehen.

Ansonsten lässt mich das Touriprogramm aber kalt und ich fahre weiter, immer noch der B8 folgend und mit quälender Langsamkeit die Steigungen des Spessart hinauf. Die Ape ist schon im Normalzustand kein Bergwunder, aber seit dem Zwischenfall bei Friedberg ringt sie selbst an geringsten Steigungen schwer, bei einigen Abschnitten im Spessart bin ich mir unsicher, ob das kleine Fahrzeug es überhaupt schafft doch irgendwie gelingt es das Mittelgebirge zu überwinden. Von Marktheidenfeld bis Würzburg geht es zum Glück fast immer leicht bergab und ich kann Luigi einfach rollen lassen.
Den ursprünglichen Plan, es in Würzburg für den Tag gut sein zu lassen, gebe ich aber auf, denn im Talkessel der Stadt hängt eine finstere Regenwolke. Es schüttet wie aus Eimern, als ich Würzburg durchquere und beschließe weiter zu fahren bis der Regen aufhört. Dies ist tatsächlich der Fall als ich die Stadtgrenze von Fürth erreiche. Doch ans Pause machen ist jetzt kein Gedanke mehr, ich fahre weiter solange es geht und durchquere, kurz vor Mitternacht, Nürnberg. Die Frankenmetropole verlasse ich dann in südlicher Richtung, nicht auf der B8 sondern auf Nebenstrecken über Schwabach nach Roth. Hier reicht es mir dann endgültig, es ist fast Einuhr in der Nacht und ich bin nur noch müde, auf einem Wandererparkplatz halte ich an und verkrieche mich im Schlafsack.

Aufs Dach trommelnder Regen und Verkehrslärm wecken mich bereits um kurz nach sechs wieder. Es ist eisig kalt und die Welt hat sich in nass-trübes Grau gehüllt. Kein guter Morgen, aber ich will weiter. Nicht auf direkter Linie über Neumarkt und die B8 sondern auf der schönen Strecke durchs Altmühltal.Von Roth geht es über Freystadt und Berching nach Beilgries, von dort aus folge ich der Altmühl bis nach Kelheim und fahre auf der B16 nach Hause. Kurz vor Mittag komme ich in Regensburg an, heilfroh das die Ape gehalten hat und traurig weil die schöne Reise schon ihr Ende gefunden hat. Bleibt nur zu hoffen, dass die Ape bald wieder zu alter Kraft zurückgefunden hat und es bald wieder eine schöne Tour geben wird, das nächste Slooowriders-Treffen ist ja leider erst in einem Jahr.