Sonntag, 29. Januar 2017

Schraubertipps: Zylinder montieren (luftgekühlter Zweitaktmotor)

Um die korrekte Montage des Zylinders wird viel diskutiert. Dabei ist es eigentlich relativ einfach, insbesondere bei luftgekühlten Zweitaktmotoren wie sie bei den meisten Rollern gebräuchlich sind. Diese Anleitung soll darum (insbesondere für ungeübte Schrauber) als Hilfestellung bei dieser Arbeit dienen.




Grundsätzliches:
Kolben und Zylinder sind Präzesionsbauteile und müssen mit großer Vorsichtig behandelt werden. Zudem ist peinlichste Sauberkeit von großer Bedeutung, denn Fremdkörper im Motor richten großen Schaden an. Die Dichtflächen des Motors können nur dann optimal funktioneren, wenn sie von den Resten alter Dichtungen gründlich befreit wurden. 
Je nach Einbaulage kann es zudem sinnvoll sein, die Kurbelgehäuseöffnung vor Beginn der hier beschriebenen Arbeiten mit einem sauberen Lappen zu verstopfen damit nichts hineinfallen kann.

Montage des Kolbens auf der Kurbelwelle:
Der Kolben wird vom Kolbenbolzen im oberen Pleuelauge gehalten. Wärend der Kolbenbolzen direkt im Material des Kolbens läuft, befindet sich im oberen Pleuelauge bei den meisten Rollermotoren ein Nadellager. 
Das Foto zeigt einen Kolben mit Kolbenbolzen und Nadellager. Bei der Montage wird das Nadellager zunächst gründlich geölt und dann in das Pleuelauge eingesetzt. Danach kann der Kolben darübergeschoben und der Kolbenbolzen eingesteckt werden. 
Dabei muss die korrekte Einbaurichtung des Kolbens eingehalten werden. Auf dem Kolbenboden (flache Seite des Kolbens, die im Motor zum Brennraum zeigt) ist dazu in der Regel ein Pfeil eingeschlagen. Dieser Pfeil muss zum Auslass (Auspuff) hin zeigen. Bei Kolben mit Kolbenfenstern (Öffnungen in der Kolbenseite, dem sog. Kolbenhemd) fehlt der Pfeil. Diese Kolbenfenster müssen zum Einlass (Vergaser) hin zeigen.
Das Foto zeigt die Kolbenfenster an einem Kolben in eingebautem Zustand.

Einsetzen der Sicherungsringe (Kolbenclips):
Bei den meisten Rollermotoren wird der Kolbenbolzen durch Sicherungsringe, die so genannten Kolbenclips, in seiner Position gehalten. Diese Clips bestehen in der Regel aus einer Drahtschleife, die in eine entsprechende Nut im Kolben eingesetzt werden. Hierbei ist zu beachten, dass diese Clips niemals zweimal verwendet werden dürfen. Sie müssen nach jeder Demontage ersetzt werden. 
Es ist zu empfehlen, dass ein Clips am losen Kolben eingesetzt wird, also noch vor dem Einbau des Kolbens. Dies hat den Vorteil, dass dieser Clip dann als Anschlag für den Kolbenbolzen fungieren kann. Der zweite Clip wird dann zuletzt eingesetzt, hierbei ist eine lange, dünne Spitzzange ein unerlässliches Werkzeug.
Es ist dabei zu beachten, dass der Clip sauber in seiner Nut sitzen muss. Um dies zu überprüfen, sollte der Ring einmal um 180° gedreht werden. Lässt er sich in der Nut drehen ohne herauszuspringen oder zu verklemmen, dann ist er richtig eingebaut. Die Öffnung des Clips muss zuletzt entweder zur Kurbelwelle oder zum Zylinderkopf hin zeigen. Dadurch wird verhindert, dass der Clip durch Brems- und Beschleunigungskräfte im oberen bzw. unteren Totpunkt ausgefedert wird. 


Zylinder montieren:
Nachdem der Kolben eingebaut ist, wird die Zylinderfußdichtung über die Stehbolzen und den Kolben gefädelt und auf die gereinigte Dichtfläche aufgelegt. Je nach Zustand der Dichtfläche kann dabei ein klein wenig Dichtmasse verwendet werden. Die trockene Montage der Dichtung ist aber, wann immer sie möglich ist, vorzuziehen.
Wenn dies geschehen ist, werden die Kolbenringe in die korrekte Position gebracht. Der Kolben verfügt zu diesem Zweck über zwei eingesetzte Stifte, an denen die Enden der Ringe anliegen müssen. Diese Stifte verhindern, dass sich die Kolbenringe frei drehen und dadurch in die Überströmkanäle ausfedern können. Bei fast allen Motoren sind die Stifte versetzt angebracht (siehe Foto).
Sind die Kolbenringe in der korrekten Position, werden sie mit der einen Hand in dieser gehalten und zusammengedrückt. Mit der anderen Hand fädelt man vorsichtig den vorher gründlich eingeölten Zylinderblock auf den Kolben auf. 
Der Zylinder muss leicht saugend aber ohne nennenswerten Widerstand über den Kolben gleiten. An dieser Stelle ist jede Gewaltanwendung falsch, wenn man glaubt einen Hammer zu brauchen, dann ist man dabei einen Fehler zu begehen! Im Zweifelsfalle den Zylinder nochmal abnehmen und die Kolbenringposition prüfen.
Anschließend kann die Zylinderkopfdichtung aufgelegt werden. Bei Metalldichtungen (wie auf dem Foto) muss dabei der Wulst zum Zylinderkopf hin zeigen.


Zylinderkopf montieren:
Der letzte Schritt ist die Montage des Zylinderkopfes. Dieser wird aufgelegt und mit den Muttern angezogen. Dabei ist zu beachten, dass die Muttern über Kreuz und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment in wenigstens zwei Gängen angezogen werden müssen. 
Das heißt, dass die Muttern zunächst mit dem halben Drehmoment angezogen werden und anschließend in einem zweigen Durchgang auf das endgültige, volle Drehmoment. Hierbei sind die Werksvorschriften (siehe Werkstatthandbuch des jeweiligen Fahrzeuges) zu beachten.
Das Foto zeigt eine mögliche Reihenfolge beim Anziehen der Muttern über Kreuz.

Abschließend:
Bevor der Motor zum ersten Mal angelassen wird, sollte er mehrmals ohne Zündkerze von Hand durchgedreht werden. Somit ist sichergestellt, dass er frei dreht und alles korrekt zusammengebaut wurde. Durch das bei der Montage verwendete Öl entsteht beim ersten Start relativ viel Rauch, dies ist normal und unkritisch. 





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