Donnerstag, 15. Juni 2017

Tour: Rottal und Toyotamuseum in Hartkirchen

Es ist Fronleichnam, Feiertag also, Zeit auf den Roller zu steigen und auf Tour zu gehen!
Als Ziel habe ich mir diesmal das Rottal ausgesucht, denn dort gibt es eine besondere Kuriosität zu sehen: Das 1. Deutsche Toyotamuseum in Hartkirchen bei Bad Füssing. Doch zunächst verlasse ich Regensburg auf der Bundesstraße 8 Richtung Straubing. Die Gäubodenmetropole fliegt vorbei und es geht weiter nach Plattling. 
Hier, tief im Herzen des Gäubodens ist das Land weit und flach, die Straße gerade und der Himmel gigantisch hoch. Es ist eine eigentümliche Stimmung, die an diesem herrlich sonnigen Tag über dem Bauernland liegt. Die Felder scheinen unendlich lang und das brutale, gleißende Licht der hoch stehenden Sonne lässt die Landschaft ausgeblichen wirken, es ist als führe man durch eine alte Fotografie. 
Nach Plattling wird das Land langsam welliger und die Landschaft abwechslungsreicher. Der Übergang zum fernen Voralpenland ist hier schon spürbar. Bei Vilshofen verlasse ich die Bundesstraße und fahre auf Nebenstrecken nach Ortenburg. Dort wollte ich mir eigentlich die Burg ansehen, doch diese ist gerade Schauplatz eines Mittelalterfestes. Da ich kein Verlangen nach pseudohistorischem Brimborium habe, fahre ich direkt in den schönen historischen Ortskern. Dort gibt es ein unscheinbares, aber sehr gutes griechisches Restaurant, die Taverne Akropolis. Diese kann ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen! 

So gestärkt geht es weiter, zunächst nach Fürstenzell und dann weiter nach Pocking. Von dort aus will ich eigentlich direkt nach Hartkirchen weiter, verpasse aber irgendwo den Abzweig und lange in einem Gewirr von winzigen Nebenstrecken. Hier verfahre ich mich für einige Zeit dermaßen, dass mir zuletzt noch das Benzin ausgeht. Eine ärgerliche, weil vermeidbare Panne die aber zum Glück kein größeres Problem darstellt. Ein freundlicher Mensch, der gerade dabei war Brennholz zu zersägen, überlässt mir etwas von seinem Gerätebenzin und weist mir den Weg nach Ruhstorf. Dort finde ich nicht nur eine Tankstelle (wieder auf dem allerletzten Tropfen Sprit), sondern auch den Weg nach Hartkirchen. 
Das Museum in der Oberen Inntalstraße ist zunächst sehr unscheinbar. Es befindet sich in einem schlichten, etwas heruntergekommenen Betongebäude, das von einer Art Feuerwachturm gekrönt wird. Dieser Turm gibt auch der zweiten Einrichtung hier ihren Namen, dem "Wirtshaus am Turm" durch das man das Museum betritt. Der Wirt fungiert gleichzeitig als Kassier und Museumswärter, lässt sich jedoch nicht mehr blicken nachdem er mir meine 5€ Eintritt abgenommen und die Tür geöffnet hat.

Die Ausstellung ist, anders als es das äußere Erscheinungsbild des Museumsgebäudes vermuten lässt, sehr sehenswert. Es sind Toyotafahrzeuge aus den 1960er bis Anfang der 1990er Jahre zu sehen. Die meisten davon gehören heute fast ausgestorbenen, halb vergessenen und extrem raren Baureihen an. Es wird dabei eine faszinierende Bandbreite an Fahrzeugen gezeigt, von primitiven "Einkaufswagen" bis hin zu den Supersportwagen des Unternehmens. 
Star der Sammlung ist der Toyota 2000GT. Es ist diesem Modell zu verdanken, dass Toyota jenen Weltruf erlange den die Firma heute genießt. Insgesamt 16 Weltrekorde stellte man seinerzeit mit solchen Wagen auf, darunter auch den für die größte Durchschnittsgeschwindigkeit über eine Distanz von 10.000 Meilen. 206km/h erreichte der 2000GT auf dieser Langstrecke. Zudem brachte er, in einer speziellen Cabrioausführung, als Bondcar für Sean Connery in "Man lebt nur zweimal", den Namen Toyota auf die Kinoleinwand.
Dennoch, es waren keine Supercars, sondern robuste Alltagsfahrzeuge die Toyota zum größten Automobilhersteller der Welt machten. Viele davon sind in Hartkirchen verewigt, so auch der Corolla im liebevollen Werkstattdiorama. 
Das Museum bietet zudem etwas in dieser Form wohl einzigartiges: Auf der Empore der Ausstellungshalle lagern in Regalen und auf Paletten viele seltene Ersatzteile für historische Toyotawagen. 
Diese Teile sind nicht direkt Teil der Ausstellung, sondern stehen zum Verkauf. Zudem bietet das Museum den Fahrern alter Toyotas seine Hilfe bei der Suche nach Ersatzteilen an. 
Über die Empore gelangt man auch in den Turm. Dieser besteht im inneren aus einem nackten Betontreppenhaus, das leider voller toter Fliegen ist.Überwindet man seine Abneigung gegen einen solchen Insektenfriedhof, so bietet sich von der Aussichtsplattform ein weiter Blick über das Land. 
Für Zeitgenossen mit Höhenangst ist die Gitterrostplattform mit freiem Blick nach unten jedoch nur sehr bedingt geeignet. 
Insgesamt ist das 1. Deutsche Toyotamuseum ein interessantes Ausflugsziel und trotz, oder gerade wegen, seiner etwas ambivalenten Ausstrahlung sehr sehenswert. 

Nach dem Museumsbesuch überlege ich mir wie ich weiterfahren soll. Auf direktem Weg zurück wäre langweilig, daher schlage ich einen weiten Bogen durch das Rottal und fahre über Bad Füssing und Rotthalmünster zurück nach Ortenburg. Von dort aus fahre ich für einige Kilometer auf meiner Anreisestrecke zurück nach Vilshofen, wechsle dort jedoch auf das linke Donauufer. Auf der kleinen Nebenstraße fahre ich nach Deggendorf und Bogen, zurück in den Gäuboden.
Die alte Nebenstrecke über Wörth an der Donau, Wiesent und Kruckenberg nach Regensburg zurück führt vorbei an einigen besonderen Naturschönheiten. Unter anderem auch an einem Weiher, der für seine besonders viele Libellen bekannt ist.
Reichlich müde und sonnenverbrannt komme ich am späten Nachmittag zurück nach Regensburg. Es war ein guter Tag auf der Straße. Das Rottal in seiner simplen, schlichten Schönheit ist immer wieder eine Reise wert. Die ganz großen Touristenziele sucht man hier zwar vergebens, aber es ist eine ideale Region um einen ruhigen Tag in schöner Umgebung zu verbringen. Ich komme wieder, ganz sicher!





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