Montag, 22. Januar 2018

Tour: durch Thüringen, Sachsen und Tschechien (Ostern 2010)



Die Planung zur sogenannten "Wild East Tour" begannen bereits im Dezember 2009 im Forum von rollerforum.de. Die Idee eine Reise durch einen Teil der ehemaligen DDR zu unternehmen lag, gut 20 Jahre nach Wiedervereinigung und Fall des "eisernen Vorhangs", irgendwie nahe. Der Termin war zwar etwas früh im Jahr gewählt, so dass die Witterung leider nicht perfekt war, aber so konnte Thomas noch vor einer, beruflich bedingten, längeren Abwesenheit mitfahren. Geplant war in vier Tagen von Regensburg über Suhl, Zwickau, Dresden und Pilsen einen etwa 1.000km langen Bogen durch den "wilden Osten" zu drehen, ein Plan der dann jedoch kurzfristig geändert werden musste. Auch diese Tour bestätige also wieder die beim Reisen allgemein gültige Regel, dass nichts so beständig ist wie die Veränderung.

Erster Tag, von Regensburg nach Jüchsen
Nach einigen Vorbereitungen konnten Thomas und ich in den Morgenstunden des 2. April (Karfreitag) in Regensburg aufbrechen und uns auf dem Weg nach Heroldsberg bei Nürnberg machen. Dort wollten wir uns gegen 10:30 Uhr mit Wolfgang treffen. Der erste Abschnitt der Strecke über Deuerling und Hemau nach Neumarkt in der Oberpfalz erwies sich, durch Kälte und Nebel, als reichlich ungemütlich zu befahren.
Sonnenschein bei Neumarkt, endlich!
In Neumarkt holten wir dann jedoch endlich die Sonne ein. Das Frankenland empfing und mit ungetrübtem Sonnenschein und der weitere Verlauf der Fahrt nach Heroldsberg brachte dann ungetrübte Reisefreude Selbst eine kleine Panne mit einer defekten Zündkerze, die meinen Neo`s kurzzeitig außer Gefecht setzte konnte diese nicht trüben. In Heroldsberg, das wir mit geringer Verspätung erreichten, wartete dann schon Wolfgang mit seinem Trabant auf uns. Da Wolfgang über keinen tourentauglichen Roller verfügte, hatte er sich kurzfristig entschlossen, die Reise mit seinem gelben „Volkswagen-Ost“ anzutreten.
Wolfgangs Trabi, stilecht mit dem Tourenlogo verziert.
Uns führte der Weg von Heroldsberg zunächst nach Coburg. Die Burg hoch über der Stadt lockte uns, jedoch hatten sich die Stadtväter Coburgs offensichtlich das Ziel gesetzt, den Weg dorthin geheim zu halten. Mehrmals mussten wir nach dem Weg fragen, denn die Beschilderung war im besten Falle verwirrend, im schlechtesten nicht vorhanden. Reisende lassen sich aber normalerweise nicht aufhalten, darum fanden wir zuletzt doch noch unseren Weg hinauf zu den historischen Mauern.
Seit dem 10. Jahrhundert wacht die Veste über die Stadt, sie war bereits ein gutes halbes Jahrtausend als, als Martin Luther hier 1530 einige Zeit verbrachte.

Die Vest Coburg, weithin sichtbar und dich gut versteckt.

Grenzgänger unter sich
 
Kurz hinter Coburg passierten wir dann das, was 20 Jahre zuvor noch die Demarkationslinie zwischen den zwei großen Machtblöcken des kalten Krieges gewesen war. Heutzutage wird man glücklicherweise nur noch von einem Hinweisschild über diesen Umstand unterrichtet. Diesen Ort jüngerer, deutscher Geschichte ließen wir schnell hinter uns und fuhren durch Thüringen nach Suhl. In der alten Industriestadt am Rennsteig trafen wir uns mit Andre, dem Vierten im Bunde auf dieser Tour, und besuchten noch das dortige Fahrzeugmuseum. Die sehr vielschichtige und sehenswerte Sammlung des Fahrzeugmuseums Suhl erzählt, nicht nur, die Geschichte des Fahrzeugbaus in Suhl. Von Suhl aus ging es dann das letzte Stück nach Jüchsen, wo wir auf dem Bauernhof einer Verwandten von Andre campen durften. Eine reichlich ungemütliche, weil extrem kalte Nacht stand uns bevor, doch auch dies kann auf einer solchen Reise nicht schrecken. Es ist doch ein schönes Gefühl, abends stundenlang mit guten Freunden am Lagerfeuer zu sitzen. 
DDR-Zweiräder im Suhler Museum

Was viele nicht (mehr) wissen: Simson war einst eine luxeriöse Automarke.

Lagerfeuer an einem kalten Abend in Jüchsen

Zweiter Tag, von Suhl nach Zwickau
Am nächsten Morgen fuhren wir von Jüchsen zunächst zurück nach Suhl, wo wir uns noch die Sammlung des Waffenmuseums angesehen haben. Dies erwies sich im Nachhinein als Fehler. Zwar war der Besuch des Museums hoch interessant, allerdings kostete er uns so viel Zeit das wir anschließend unseren Plan an diesem Tag bis Dresden zu fahren aufgeben mussten. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigte, dass Zwickau ein wesentlich sinnvolleres Ziel darstellte.
Endlich hat Wolfgang ein Gewehr in seiner Größe gefunden.
Das Jägerdenkmal vor dem Museum verleitet zu blödsinnigen Fotos.
Die Strecke in diese andere, traditionsreiche Industriestadt, führt von Suhl aus zunächst quer durch den Thüringer Wald. Diese einstmals als „grüne Lunge der DDR“ bekannte Gegend ist heute zum größten Teil Landschaftsschutzgebiet und dient immer noch als Zufluchtsort geplagter Stadtbewohner, nun allerdings nicht mehr ausschließlich aus dem Ostteil Deutschlands. Für uns bedeutete der Thüringer Wald vor allem Fahrspaß auf den wunderschönen Straßen der Region. 
Pause im Thüringer Wald
In Zwickau begaben wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft für die Nacht. Fündig wurden wir im Hotel Merkur, einer liebenswürdig schrulligen Zeitkapsel. Das Doppelzimmer, das ich mit Thomas bezog, war wohl seit den Tagen des real existierenden Sozialismus nicht mehr renoviert worden, selbst der Partei- und Staatschef Honecker hing noch an seinem angestammten Platz über dem Bett. In Wolfgangs und Andres Zimmer, das ansonsten nicht viel anders war, wachte hingegen der Genosse Chruschtschow über den Schlaf der Hotelgäste.
Der Trabi ist wieder zu Hause.
Am Abend fuhren wir noch mit Wolfgangs Trabant zu dessen Geburtsstätte. Das ehemalige Sachsenringwerk, das seinerseits aus den Überresten der kriegszerstörten Horchfabrik entstanden war, beherbergt heute das August Horch Museum, das die Geschichte Zwickaus als Automobilstandort beleuchtet. Insbesondere die Marken der Autounion sowie Sachsenring werden dort beleuchtet. Wir konnten die Sammlung jedoch nicht mehr besichtigen, es war einfach schon zu spät am Abend. Natürlich konnten wir vier Spielkinder uns einen kleinen Spaß mit dem, für vier Erwachsene Männer nicht sonderlich bequemen, Auto nicht verkneifen.


Dritter Tag (Ostersonntag), von Zwickau nach Hrascholusky
Nach einem gemütlichen Osterfrühstück, unter dem wachsamen Blick eines etwas angestaubten Lenin, ging es dann wieder zurück auf die Straße. Beim Frühstück hatten wir beraten was wir machen sollen, die Tour um einen Tag verlängern und Dresden mitnehmen ging nicht, denn Thomas musste am Dienstag wieder bei seiner Arbeit sein. Darum fuhren wir direkt weiter nach Tschechien. Vorher verabschiedeten wir uns allerdings noch von Andre, dieser wollte zurück nach Jüchsen um noch etwas Zeit mit seinen Verwandten zu verbringen, bevor er zurück nach Hessen fuhr.
Süßwasserspeichersee bei Sosa im Erzgebirge.
Für uns ging es jedoch zunächst ins Erzgebirge. Vorbei an Schneeberg und Aue und, als malerischer Zwischenstopp, zum Süßwasserspeichersee bei Sosa. Hier, an der Grenze von Sachsen nach Böhmen, ist die europäische Einigung sehr weit fortgeschritten. Den Grenzübergang hätten wir fast übersehen, so nahtlos sind hier die Nachbarländer zusammengewachsen. Wir genießen diese Freiheit auf den wunderschön gewundenen Nebenstraßen von Kraslice über Sokolov nach Karlsbad. 
Irgendwo in einem Böhmischen Dorf.

Die Burg von Bekov ist sehr sehenswert.
 Hinter Karlsbad wird das Land offener und die Straße gerader. Wir rollen durch die weite Agrarlandschaft in Richtung Pilsen. Kurz vor der Großstadt biegen wir nach Hrascholusky ab. Die kleine Ortschaft liegt einige Kilometer südlich von Pilsen und dort gibt es einen wunderschönen Campingplatz. Dieser liegt auf Terrassen an einem kleinen Stausee. 

In der Hauptsaison kann man mit einem kleinen Schiff Rundfahrten auf dem See machen, wir sind dafür zu früh hier und das Wasserfahrzeug hält noch auf dem Trockenen Winterschlaf. Als Alternatives Abendprogramm lassen wir uns im Restaurant des Campingplatzes Kutteln und böhmische Knödel schmecken bevor wir den Tag am Lagerfeuer ausklingen lassen.
Kutteln sind nicht jedermanns Sache.
  
Vierter Tag (Ostermontag), zurück nach Regensburg
Die knapp 160km lange Rückfahrt nach Regensburg durch das böhmisch/bayerische Grenzgebiet stellt keine besondere Herausforderung dar und ist arm an Sehenswürdigkeiten. Zudem ist es ein düsterer, recht ungemütlicher Tag weshalb wir schnell aufbrechen und uns dem Kilometerfressen hingeben.
Ein düsterer Ostermontag in Tschechien.
Auf den kleinen Nebenstraßen im Böhmerwald ein Genuss, auch an einem so trüben Tag. Viel zu schnell erreichen wir kurz hinter Domažlice die Grenze und sind zurück in Deutschland. Furth im Wald und Cham fliegen vorbei und in Falkenstein halten wir  zu einem späten Frühstück an. Von dort aus sind es nur noch wenige Kilometer nach Regensburg. Der Kreis hat sich geschlossen, Thomas, Wolfgang und ich gehen noch gemeinsam Mittagessen. Ein dicker Hamburger im American Diner ist ein guter Abschluss für diese Reise in den wenig wirklich wilden, dafür aber sehr sehenswerten Osten. Wir werden wieder kommen, soviel steht fest!
Falkenstein mit Burg und Osterbrunnen.


Mittwoch, 17. Januar 2018

Jawa: kleine Schritte auf dem richtigen Weg

Die bestellten Ersatzteile für die Jawa waren gestern endlich in der Post. Die lange Wartezeit hat sich aber gelohnt, es sind Teile von sehr guter Qualität zu einem mehr als nur fairen Preis. Da kann man wirklich nicht meckern.
Einziger Wehrmutstropfen war, dass beim Zylinderkit keine Clips dabei waren. Komplett zusammenbauen konnte ich den Motor heute also auf keinen Fall, aber das heißt ja nicht, dass ich mich nicht schon um andere Nebenbaustellen kümmern kann.
Eine solche ist der Auspufftopf. Dieser ist technisch in Ordnung, aber leider total verranzt. Neu gibt es nur noch den Topf für die Babetta 210, ob dieser aber an die 207 passt konnte mir niemand sagen. Egal, es ist ohnehin besser, vorhandene Teile aufzuarbeiten. 
Im Fall des alten Auspufftopfs bedeutet dies zunächst eine Schicht hitzefeste Grundierung aufzusprühen. 
Anschließend gab es dann eine Schicht schwarzen Lack. Das ist zwar nicht original, aber der Originalzustand ist bei diesem speziellen Fahrzeug sowieso schon reichlich "versaut", da kann man sich solche Freiheiten erlauben.

Als nächster Schritt musste dann nur noch der Schalldämpfereinsatz zurück an seinen Platz. Somit ist der alte Auspuff wieder brauchbar. 
Ein Vergleich des neuen Krümmers mit dem Altteil zeigte, dass der Neue etwas länger ist. Ob das so sein muss, sprich das der Alte gekürzt worden war, wird sich im Fahrversuch zeigen müssen. Ansonsten passt das Neuteil aber, Durchmesser und Anschluss stimmen überein, zudem ist die Verchromung von sehr guter Qualität. 
Mit dem Schalldämpfer probeweise vereint sieht das auch schon recht ordentlich aus. Schwarz und Chrom sind halt doch wunderbare Partner.

Ein weiteres Teil, das noch aufgearbeitet werden musste, war der Ansaugstutzen. Beide Dichtflächen hatten im Laufe der Zeit ziemlich gelitten und mussten wieder geglättet werden. 
Feile und ein Stück, auf eine Glasplatte aufgelegtes, Schleifleinen halfen dabei die Dichtflächen zu "restaurieren". Eine recht aufwändige Arbeit, aber auch hier lohnt es sich ein Altteil zu erhalten statt ein Neuteil zu kaufen. 
Das Ergebnis ist sicher nicht perfekt, aber deutlich besser als der Ausgangszustand. Die verbleibenden Spuren lassen sich mit Dichtmasse ausgleichen. Somit ist dann dafür gesorgt, dass der Motor keine Falschluft ziehen kann. 

Um überhaupt irgendetwas zu ziehen muss der Motor aber natürlich ersteinmal zum Laufen gebracht werden. Die dazu notwendigen Vorarbeiten habe ich heute auch durchgeführt.
Den alten Kolben hate ich bisher nicht vom Pleuel abgenommen. Heute habe ich dies nachgeholt und leider gab es dabei Schwierigkeiten. Denn das Pleuellager und der Kolbenbolzen waren einander doch arg nahe gekommen. Die Schraubzwinge ist sicher nicht das übliche Werkzeug um Kolbenbolzen zu demontieren, aber hier eine gute Möglichkeit es zu tun ohne das Pleuel zu beschädigen.
Das Pleuel selbst ist in gutem Zustand, allerdings zeigte sich, dass die Lagerbuchse schief eingebaut worden war. Durch die damit verdeckte Ölbohrung kam es wohl zu einem Lagerfresser. Neben Kolbenclips muss ich also auch noch ein neues Lager und einen neuen Kolbenbolzen besorgen. 
Der Rest des Kurbeltriebs sieht dafür gut aus. Insofern bin ich optimistisch, dass der Motor nach der nächsten Teilelieferung laufen wird. Bleibt nur die Frage, wie lange es diesmal dauern wird bis die Ersatzteile den Weg aus Böhmen in meine Werkstatt gefunden haben.













Dienstag, 16. Januar 2018

Fahrzeugportrait: Wulfhorst R3

Der Hersteller dieses Fahrzeugs, die Wulfhorst GmbH aus Gütersloh in Westfalen, ist seit 1915 als Hersteller von Dreiradfahrzeugen, zum überwiegenden Teil von dreirädrigen Fahrrädern zu Transportzwecken und für Menschen mit körperlicher Behinderung, aktiv. Das Modell R3 ist ein dreirädriger, motorisierter Krankenfahrstuhl auf Basis des Hercules Prima Mofas. Anders als bei den jüngeren Baureihen R7 und R10, die durch Umbauten aus Peugeot-Motorrollern entstanden, ist hier auch die Antriebstechnik anders als beim Basisfahrzeug.


Technische Unterschiede gegenüber dem Basisfahrzeug
Die Hercules-Mofas der Prima-Serie wurden ausnahmslos von Motoren der Typen Sachs 505 (Schaltgetriebe) bzw. 504 (Automatikgetriebe) angetrieben. Diese Motoren sind vergleichsweise modern konstuierte, fahrtwindgekühlte Zweitaktmotoren mit liegendem Zylinder. Abweichend davon wurde der Wulfhorst R3 mit einem konstruktiv erheblich älteren Motor des Typs Sachs 50/Amal X der Typvariante Ausführung Z versehen. Hierbei handelt es sich um einen gebläsegekühlten Zweitaktmotor mit stehendem Zylinder und Zweigang-Automatikgetriebe. Diese Motorvariante war seitens der Herstellers primär zur Verwendung in Krankenfahrstühlen vorgesehen. Der Motor ist leicht nach links versetzt im Rahmen aufgehängt, was zur untypischen Anordnung des Auspuffs in der Mitte des Fahrzeugs führt. Da Boden- und Schräglagenfreiheit bei einem Dreirad nur eine untergeordnete Rolle spielen, ist dies hier problemlos möglich.

Gegenüber der Primabaureihe, die stets per Pedal oder Kickstarter angelassen wurde, vefügt der Motor des R3 über einen (als Dynastarter ausgeführten) elektrischen Anlasser. Zu diesem Zweck hat er eine 9ah Batterie im Rahmenheck. Anders als bei der Prima beträgt die Bordspannung des R3 12V.

Um eine kleine Ladefläche aus einer Siebdruckplatte zwischen den Hinterrädern zu ermöglichen, wurde der Rahmen gegenüber der Prima gekürzt. Die beiden Ausleger, die beim Serienmofa den Gepäckträger aufnehmen, fehlen hier. 
Die abgebildete Anhängerkupplung ist nicht serienmäßig, die Position bietet sich jedoch zur Montage einer solchen an.

Antrieb und Fahrwerk
Der Rahmen der Prima wurde, abgesehen von der gekürzten Gepäckträgeraufnahme, unverändert übernommen. Die Gabel ist eine simple, aber ausreichend gute Telegabel, die Hinterachse wird in einer von zwei Federbeinen geführten Schwinge geführt. Die Hinterachse ist die, für Wulfhorst-Fahrzeuge typische, Konstruktion mit einem Peerless-Differential.  Zusätzlich verfügt die Hinterachse über eine hydraulische Scheibenbremse, die auf die Achswelle wirkt und somit beide Hinterräder bremst. Der Betätigungshebel für diese Scheibenbremse sitzt, untypisch für motorisierte Zweiräder, rechts am Lenker. Der links angebrachte Hebel bremst die serienmäßige Trommelbremse am Vorderrad.


Anders als bei den jüngeren Rollerumbauten, wird die Antriebskette nicht durch verschieben der Hinterachse gespannt. Vielmehr wird die (linksseitige) Antriebskette durch einen mechanischen Federspanner auf Spannung gehalten. Gleiches gilt für die Tretkette. 
Der Motor des Wulfhorst R3 ist, wie bereits beschrieben, eine relativ exotische Variante des bekannten Sachs 50. Die Ausführung Z des Sachs 50/Amal X ist eine für Krankenfahrstühle vorgesehene Variante mit 12V Dynastarter und Automatikgetriebe.
Die Betriebserlaubnis gibt die Leistung des Motors mit 2kW bei 5.000upm an. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegt bei 25km/h. 
Durch die Gebläsekühlung ist dieser Motor den höheren Belastungen und niedrigen Geschwindigkeiten eines dreirädrigen Krankenfahrstuhls gut angepasst. Er ist eine logische Wahl, auch weil der Elektrostarter den Bedienkomfort erheblich erhöht.

Bedienelemente
Die Bedienelemente des R3 ähneln bzw. entsprechen teilweise denen der Hercules Prima Mofas, sie weisen jedoch einige spezifische Änderungen auf. Daher seien sie in nachfolgendem Bild gekennzeichnet. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Bremshebel, im Vergleich zur üblichen Anordnung an motorisierten Zweirädern mit Automatikgetriebe, vertauscht sind.

1 = Bremshebel für die Trommelbremse im Vorderrad
2 = Anlasserknopf
3 = Chokehebel
4 = Tachometer mit Kilometerzähler
5 = Anwerfkupplung für Pedalstart
6 = Bremshebel für die hydraulische Scheibenbremse der Hinterachse
7 = Gasdrehgriff
8 = Zündschloss (drei Stellungen: links aus, mitte Zündung an, rechts Licht an)
9 = Tankdeckel
Das Lenkerschloss (Diebstahlsicherung) befindet sich, wie beim Basisfahrzeug, links am Rahmenkopf unterhalb der Gabelbrücke.

Grundsätzlich kann der Motor durch den Elektrostarter oder durch anpedalieren gestartet werden. Die Achskonstruktion sowie das relativ hohe Gewicht des Fahrzeugs machen dies jedoch mühsam. Die Pedale sind daher in der Praxis eher als Fußrasten zu verstehen.

Fazit
Genau wie die jüngeren Rollerumbauten ist auch der R3 ein faszinierender Sonderling. Durch seine besondere Technik ist er zudem auch ein faszinierendes Betrachtungsobjekt für Technikfreunde. Natürlich ist er aber vor allem ein Sonderfahrzeug, dessen Daseinszweck darin besteht, Menschen mit körperlicher Behinderung das Leben zu erleichtern. Dieser Aufgabe ist er auch heute, gut 30 Jahre nach seiner Konstruktion, noch immer gewachsen. Als Krankenfahrstuhl darf er, mit Schrittempo, auch auf Gehwegen und in Fußgängerzonen gefahren werden und seine im Kern auf solider Großserie basierende Technik macht ihn zu einem zuverlässigen Arbeitsgerät. Sein hoher Neupreis und die bis heute hohen Marktpreise sowie die geringen Produktionszahlen machen ihn zu einem seltenen Anblick im Straßenverkehr, weshalb er aber natürlich auch für Oldtimersammler und Mopedfreunde interessant ist.









Spirit of Saxonia: neuer Tank und neue Stimme

Der neue Tank für den Chinakracher war endlich in der Post, wurde langsam Zeit, denn die Karre soll ja eigentlich als Winterroller fahren und nicht die Werkstatt verstopfen. 

Das Neuteil ist ein kleines Bisschen anders als der Originaltank, der Anschluss zeigt in eine andere Richtung und er hat kein Entlüftungsventil. Zweiteres könnte möglicherweise noch zu Problemen führen, denn es gibt bei den Chinakrachern Tankdeckel mit Entlüftung und solche ohne, welchen mein Exemplar hat weiß ich leider nicht sicher. Aber das wird sich in der Praxis zeigen. Nach den ganzen Gruselbildern vom alten Tank tut der Anblick eines wirklich sauberen Tanks einfach gut. 
Also rein damit und diesmal direkt fest anschrauben, denn eigentlich sollte ja jetzt alles passen. 
Um ganz sicher zu gehen, habe ich den Tankgeber noch mit etwas Dichtmasse eingeklebt, auch hier soll alles dicht sein. Mit dem Tank konnte ich dann auch die Heckverkleidung wieder montieren, Benzin einfüllen und zu einer kurzen Probefahrt starten.

 
Die Probefahrt verlief recht vielversprechend. Zwar ist immer noch die eigentlich tote Membrane eingebaut, aber der Roller läuft erstmal unaufällig. Da ich aktuell absolut keinen Bock habe noch mehr Geld in dem Scheißhaus zu versenken, bleibt das erstmal so. 
 
Zurück in der Werkstatt kamen Gepäckträger und Topcase wieder an die Karre, die Reparatur ist somit eigentlich abgeschlossen. 
 
In den nächsten Tagen werde ich den Roller nach Hause fahren. Ja, richtig, fahren, ich will ihn diesmal mit auf dem Anhänger wegkarren sondern tatsächlich einmal auf Strecke fahren. Mal sehen wann jemand Zeit hat um mit dem Auto hinterher zu schleichen, denn so ganz traue ich dem Frieden noch nicht. Überhaupt bleibt die Karre jetzt erstmal noch zwei, drei Tage stehen um zu sehen, ob sie nicht doch noch Sprit verliert. 

Es gab jedoch noch eine weitere Kleinigkeit die mich stört. Die Hupe klang nicht nur seltsam, sondern krächzte auch, fast als würde jemand eine Ente erwürgen. Mit dem Chinakracher nimmt einen ohnehin schon niemand wirklich ernst, aber wenigstens vernünftig "Hau ab, hier komm ich!" sagen soll er dann doch können.


Im Fundus hatte ich noch ein altes "Waltons Horn", ein mechanisches Klaxon also. Klingt wie ein sterbender Esel und ist ordentlich laut, genau was zu der Karre passt.

Nachdem die Originalhupe rausgerissen war zeigte sich, dass das Ding erschreckend gut hinter die Frontmaske des Chinakrachers passt. Per Kabelbinder gegen rausfallen gesichert kann man das wunderbar so lassen. 
Die Akustik passt jetzt zur Optik, noch eine kleine Verbesserung. Jetzt muss das Ding nur noch zuverlässig fahren ...









Montag, 15. Januar 2018

Roadtrip: auf Kaperfahrt im Land von Weibern und Engeln

Es heißt, der Mensch sei ein Sammler und Jäger. Historisch betrachtet kam das Sammeln mit ziemlicher Sicherheit vor dem Jagen. Aber heutige Sammler sind zunächst einmal Jäger, denn das Objekt der Begierde will ja erst einmal gefunden werden. Mein lieber Freund und Mitslooowrider Thum ist ein solcher Jäger, seine letzte Pirsch galt einer Ergänzung seiner Sammlung kurioser Fahrzeuge aus Gütersloher Fabrikation. Ein Wulfhorst R3 sollte es diesmal sein. Gefunden hat er einen in einem entlegenen Dorf in der Eifel, es war also an der Zeit eine Kaperfahrt zu unternehmen.

Getroffen haben wir uns dieses Mal am Hauptbahnhof in Nürnberg, von dort aus ging es über Frankfurt am Main und Limburg an der Lahn nach Nordwesten. Das Navi, das im Ruf steht eine ungesunde vorliebe für Knüppelpfade und Kuhweiden zu besitzen, leitete uns hinter Meckenheim dann durch eine seltsame Gegend mit interessant-verführerischen Ortsnamen. Was soll ein einer Region, in der Straßenschilder den Weg zu Weibern und Engeln weisen, schon schiefgehen? Wir vertrauten daher der lustigen kleinen Maschine auf dem Armaturenbrett und wurden natürlich promt in die Irre geleitet.
Glücklicherweise war es eine landschaftlich ausgesprochen reitzvolle Irre. Auf mehr oder weniger befestigten Waldwegen ging es hinein in die Eifel zum vermeintlichen Ziel. Dort, auf einem kleinen Bauernhof, fanden wir einen sehr großen, freundlichen Hund und dessen nicht minder freundlichen, aber ob unserer Anwesenheit etwas verwirrten Besitzer. Die Adresse stimmte, nur leider befand sie sich im falschen Dorf. Mit einer Wegbeschreibung des verwirrten Hundebesitzers machten wir uns wieder auf und fanden dann unser eigentliches Ziel.
Das bizarre Konstrukt Wulfhorstscher Ingenieurskunst erwies sich als gut erhalten und fahrbereit, was mit einer kurzen Probefahrt unter Beweis gestellt wurde.



Es folgte eine nette Unterhaltung mit dem Verkäufer. Eine schöne Art ein Fahrzeug zu kaufen, doch wir mussten leider wieder auf die Straße zurück. Einmal in östlicher Richtung quer durch die nächtliche Republik. Vorbei an Gießen, Eisenach und Erfurt in den tiefen Osten. Dieser verbarg sich leider hinter dem Vorhang der nächtlichen Dunkelheit, weshalb die lokalen Sehenswürdigkeiten eher beschränkt waren. Aber gut, einen dreirädrigen (!) mit Dachlatten vollgestopften und auf einem Autobahnparkplatz vergessenen Fiat sieht man auch nicht alle Tage.

Tief in der Nacht kamen wir dann glücklich und wohlbehalten in Freiberg an. Noch kurz am Küchentisch ausruhen und dann ab ins Bett, von weiten Fahrten, kuriosen Mopeds und den seltsam liebenswürdigen Bewohnern der Eifel träumen. 

Der Sonntagmorgen brachte dann zunächst das Abladen der Neuerwerbung sowie eine gründlichere Inspektion des technischen Zustands. Dieser ist gut, aber das Fahrzeug braucht nach längerer Standzeit trotzdem eine Inspektion, nichts wildes und so wird Thum mit dem neuen Fahrzeug bald Sachsen unsicher machen können.
Bevor ich mich auf den Heimweg machte gab es noch ein sehr solides, spätes Frühstück. Eier, Speck und Bohnen sind zwar eher eine englische Spezialität, aber auch in Sachsen sehr lecker. 


Die Heimfahrt war eine angenehm helle und daher auch landschaftlich sehenswerte Autobahnfahrt. Auf der A4 nach Chemnitz und dann in südlicher Richtung über Zwickau und Hof zurück nach Bayern. Regensburg habe ich am frühen Abend erreicht, reichlich müde aber auch zufrieden und innerlich tief entspannt. Solche Kaperfahrten sind doch immer wieder schön und ich wünsche Thum viel Spaß und allzeit gute Fahrt mit seinem R3!