Samstag, 7. April 2018

Tour: bayerisch-böhmische Grenzerfahrung

Von Regensburg aus ist es bekanntlich nicht sonderlich weit zur Grenze nach Tschechien. Insofern ist eine Tagestour mit dem Roller ins Grenzgebiet zu unserem östlichen Nachbarland keine große Besonderheit. Aber es gibt in dieser Region viel zu entdecken, darum nehme ich diese Gegend immer wieder gerne unter die Räder.
Den Einstieg in diese Tour bildet Schwabelweiß am östlichen Stadtrand von Regensburg gelegen. Die alte Donautalstraße folgt hier grob dem Fluß und führt als "Weinroute" quer durch das historische Anbaugebiet des Baierweins. Was heute als Regensburger Landwein firmiert ist bereits seit der Römerzeit fester Bestandteil der regionalen Kultur. 
So früh im Jahr sind die Weingärten an den Südhängen des Vorwaldes noch ein trostloser Anblick. Es ist kaum zu glauben, dass aus den verdorrt und tot wirkenden Stämmen bald reiches Grün und herrliche Trauben wachsen werden. Ebenso herrlich ist auch der angenehm ruhige, leicht geschwungene Straßenverlauf entlang der Donau bis nach Wörth. 
Kurz hinter Wörth überquert die Straße die Autobahn und verläuft von nun an weiter weg vom Fluss bis kurz vor Straubing. Hier folge ich dem Abzweig nach Parkstetten, vorbei an der Öberauer Donauschleife. Im Bereich dieses, unter Naturschutz stehenden, Altwassers wirkt der Fluss noch urtümlich und nur wenige Spuren deuten auf menschliche Aktivitäten hin. 
Auf Parkstetten folgt bald Bogen und die weithin sichtbare Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg. Sie ist für mich der Wegweiser nach Sankt Englmar. Von nun an steigt die Straße steil an den Hängen des Bayerischen Waldes hinauf.
Sankt Englmar markiert, knapp über 900m hoch, den ersten Hochpunkt des Tages. In den Wäldern entlang der Straße liegt noch Schnee, aber es ist warm und sonnig. Der Blick über das Viechtacher Becken hinüber zu den Höhen des Mittelgebirges ist herrlich frei und es ist eine Freude, den Roller unbeschwert ins Tal hinab laufen zu lassen.
Bei Viechtach geht es für einen kurzen Moment auf die B85, doch bereits nach einigen hundert Metern folgt der Abzweig nach Teisnach und die Strecke verläuft wieder über kleinste Nebenstraßen. Auf diesem Abschnitt ist die Burg Altnussbach ein besonderer Wegpunkt. 
Die Ruine der Höhenburg aus den 12. Jahrhundert, gekrönt vom rekonstruierten Turm, krönt einen waldigen Bergkegel über dem Ort Nussbach. Der kurze Aufstieg lohnt sich, denn er wird mit einem herrlichen Rundblick belohnt. Eine gute Art den nächsten Abschnitt zu beginnen. Bodenmais, das an diesem herrlichen Frühlingstag von Touristenhorden verstopft ist, lasse ich links liegen und fahre direkt weiter zum Arber. Die Arberhochstraße, die auf knapp über 1.000 Meter hinauf führt, ist in ihrem höchsten Abschnitt noch fest im Griff des Winters. 
Trotz der Schneemauern neben der Straße ist es angenehm warm und das vorherrschende Geräusch ist das Rauschen von Schmelzwasser in den zahlreichen Bachläufen am Straßenrand. Auch hier hat der Winter seine letzte Schlacht verloren. 
Vorbei an der Talstation der Bergbahn fahre ich weiter, hinunter ins Tal nach Bayerisch Eisenstein und über die Grenze nach Tschechien. Hinter Böhmisch Eisenstein folge ich der Landstraße bis nach Hamry na Sumave. Die Nationalstraße 190 schlängelt sich hier in malerischem Kurvenschwung durch die sanfte und deutlich frühlingshafte Landschaft des Böhmerwald. Die östliche Seite des Mittelgebirges ist sanfter und wämer als die westliche, man sieht viel mehr Frühlungsblumen auf den Wiesen und der Schnee ist bereits vollständig abgetaut. 
Am Stausee von Nyrsko fahre ich nach Skelna Hut und tanke den Roller auf. Die Grenze ist nicht mehr weit und ich fahre auf der deutschen Seite bald weiter nach Neukirchen bei Heiligenblut. Von hier aus lasse ich mich auf gut bekanntem Geläuf treiben und fahre über Furth im Wald nach Cham und Falkenstein. 
Von dort aus geht es bergab, hinunter ins Otterbachtal und bei Tegernheim wieder zurück nach Regensburg. Knapp 250km sind es heute geworden, eine schöne Tagestour mit dem Roller, quer durch ein Mittelgebirge und zwei Länder die heute mehr verbindet als trennt. Eine Grenzerfahrung der ganz besonders angenehmen Art.

Route:
Teil 1
Teil 2







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